100 Jahre Tradition veredelt durch moderne Technik

Interview mit Martin Weißenborn, Geschäftsführer der Baumschulen Oberdorla GmbH

Die Baumschulen Oberdorla GmbH liegt im Nordwesten von Thüringen im Unstrut-Hainich-Kreis. Hier hat das Gärtnern seit über 100 Jahren Tradition. Eine große Besonderheit ist die Vermehrung von Jungpflanzen im eigenen In-Vitro-Labor. Martin Weißenborn spricht mit uns über die drei Vorteile der regionalen Produktion und verrät die Besonderheit des Thüringer Bodens.

Was macht für Sie den Wert regionaler Produkte aus?

„Regional zu produzieren und zu verkaufen, bedeutet, den eigenen Arbeitsmarkt zu stärken und Geld in die heimische Wirtschaft fließen zu lassen. So schaffen Unternehmen wie wir regionale Wertschöpfungsketten. Aber neben der Wirtschaft profitiert auch die Umwelt von regionaler Herstellung und Handel. Denn unsere Produkte haben besonders kurze Transportwege. So fällt ihre CO2-Bilanz deutlich besser aus."

Ihr Unternehmen hat eine lange Tradition. Was ist heute noch genauso wie früher? Und was hat sich grundlegend verändert?

„Wir setzen in Oberdorla eine über 100-jährige Gärtnertradition fort. Die Vermehrung von Obstbäumen geschieht heute noch genauso wie damals durch die sogenannte Veredlung. Grundlegend verändert hat sich der Angebotszeitraum unserer Pflanzen; ein Versand im August war früher undenkbar – Obstbäume gab es ab Mitte Oktober. Ab Anfang der 1980’er Jahre wurden in Oberdorla jährlich bis zu 1 Mio. Obstbäume und eine halbe Mio. Rosen produziert. Natürlich alles im Freiland auf Ackerböden. Aktuell verlassen 70 % unserer Pflanzen den Betrieb als sog. Containerpflanze (Container = Topf). Das können wir heute viel besser und umweltschonender als früher. Wir verwenden zum Beispiel nur noch Kunststofftöpfe aus recyceltem Material. Diese können nach der Nutzung auch direkt wieder recycelt werden."

Was ist das Besondere an in Thüringen hergestellten Pflanzen? Und was ist das Besondere an Ihrem eigenen lizenzierten Produkt?

„Wir verbinden althergebrachtes und modernes Wissen. In der Praxis bedeutet das, dass wir zum einen traditionell kultivieren. Zum anderen setzen wir auf moderne Techniken wie unser In-Vitro-Labor. Hier arbeiten neun speziell geschulte Mitarbeiter:innen. Die In-Vitro-Vermehrung ermöglicht es uns, deutlich flexibler auf die Ansprüche des Marktes zu reagieren. Unser Schwerpunkt liegt heute bei Obstgehölzen, diese tragen auch das Siegel „Geprüfte Qualität aus Thüringen“.

Wie wirken sich Thüringer Boden und Wetter auf Pflanzen aus?

"In den meisten Jahren haben unsere Pflanzen weniger „Stress-Tage“ durch extreme Hitze oder Niederschläge als im Rest des Landes. Die guten Thüringer Böden sorgen auch in trockenen Zeiten für gesundes Wachstum. Das Geheimnis ist der regionale Lösslehm. Dieser kann Nährstoffe besonders gut halten und in Verbindung mit Wasser an die Pflanzen abgeben.

Übrigens: Löss ist 2021 von der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft und dem Bundesverband Boden mit Unterstützung des Umweltbundesamt zum „Boden des Jahres“ gewählt worden. Diese Auszeichnung wird seit 2005 jährlich vergeben und soll darauf hinweisen, wie wichtig Naturschutz auch für Böden ist."
 

Haben Sie einen Geheimtipp für unsere Leser:innen, der Pflanzen besonders gut wachsen lässt?

„Immer eine Handvoll Hornspäne ins Pflanzloch! Und bei Obstbäumen bitte die Baumscheibe nicht vergessen! Das ist der Boden um den Baumstamm herum. Dieser sollte für gewöhnlich nicht weiter bepflanzt werden, damit der Baum sich kräftig und gesund verwurzeln kann."

Name des Unternehmens:

Baumschulen Oberdorla GmbH

Gründungsjahr:

In den 1950’er Jahren als Teil der LPG ‚Dorla‘, später Teil der LPG „Thomas Müntzer“ Mühlhausen. 1991 Gründung der Baumschulen Oberdorla GmbH in der Agrargenossenschaft „Thomas Müntzer“, nach Umwandlung 1995 TUPAG-Holding AG

Mitarbeiterzahl:

30

Unternehmenssitz:

Vogtei im Ortsteil Oberdorla

TQZ lizenzierte Produkte:

Obstgehölze (Obstbäume & Beerenobst)