Spirituosen

Früher galt hochprozentiger Alkohol als Allheilmittel, heute erfreuen sich die vielen verschiedenen Sorten von Spirituosen großer Beliebtheit aufgrund ihres Geschmacks. Der deutschlandweit beliebte Gewürz-Bitter der Firma Aromatique fand in Thüringen seinen Ursprung und wird hier nach jahrhundertealter Rezeptur hergestellt. Lesen Sie im Folgenden, warum Spirituosen früher eine heilsame Wirkung zugeschrieben wurde und welche Sorten heute besonders gefragt sind.

Likör ist der Favorit unter den Spirituosen

Bundesweit werden jährlich 371 Mio. Liter Spirituosen, das entspricht in etwa 530 Millionen Flaschen (zu 0,7 Liter) von insgesamt 48 Betrieben hergestellt.1 Die Anzahl der Betriebe ist in den letzten 150 Jahren zwar um mehr als zwei Drittel zurückgegangen1, dafür sind die Sorten verschiedener Spirituosen heute umso diverser: Neben verschiedensten Sorten von Wodka, Whisky und Gin wird auch eine Vielzahl an unterschiedlichen Obstbränden und Likören hergestellt.

Im bundesweiten Vergleich ist der Absatz von Spirituosen in Thüringen eher gering. So liegt der Absatz an Spirituosen im Lebensmitteleinzelhandel für Thüringen, zusammen erfasst mit Sachsen, bei neun Prozent (Stand 2019).1 Dafür überzeugt Thüringen mit seinen Spirituosen-Spezialitäten wie Likören. Und diese sind in Deutschland besonders beliebt: Sie machen fast 30 Prozent des gesamten Angebots von Spirituosen in Deutschland aus.1 In Thüringen und Sachsen (zusammen erfasst) ist der Anteil am Absatz sogar noch größer: Liköre machen hier 43 Prozent des Absatzes aus.1

Thüringer Tradition: kräftig-lieblicher Magenbitter mit heilsamem Ursprung

Spirituosen haben Tradition in Thüringen. Der mengenmäßig größte Spirituosenhersteller in ganz Deutschland hat seinen Sitz im Norden des Bundeslandes: die Nordbrand Nordhausen GmbH, die jährlich fast 50 Millionen Flaschen Spirituosen verkauft.2 Hier werden verschiedenste Spirituosen, vor allem aber Liköre und Kornbrand hergestellt, die auch im Rest der Bundesrepublik beliebt sind.2

Besonders typisch für Thüringen ist der Kräuterlikör. Historisch gewachsen erfreut er sich bereits seit über hundert Jahren großer Beliebtheit.3 Der Gewürz-Bitter der Neudietendorfer Spirituosenfabrik Aromatique wird bereits seit 135 Jahren in Thüringen hergestellt4 und trägt das Siegel „Geprüfte Qualität aus Thüringen“, was bedeutet, dass die qualitativ hochwertigen Rohstoffe zu mindesten 90 Prozent aus Thüringen stammen. Er zeichnet sich durch seinen kräftig-lieblichen Geschmack aus, den er im Vergleich zu anderen Kräuterlikören ausschließlich aus hochwertigen Gewürzen bezieht.3 Der Betrieb gehört mit einem jährlichen Absatz von etwa 1 bis 1,5 Millionen Litern zu den kleineren Betrieben in Thüringen, überzeugt jedoch durch Geschmack und Qualität seiner Produkte.3 So wird bis heute der Gewürz-Bitter nach Originalrezeptur hergestellt.3

In seinen Ursprüngen diente der Magenbitter als Arznei gegen eine Magen-Darm-Epidemie, die Anfang des 19. Jahrhunderts im Kreis Neudietendorf ausbrach.4 Mithilfe von heilsamen Naturstoffen stellte der Apotheker Daniel Thraen ein Arzneimittel auf alkoholischer Basis her, das die Gesundheit von Magen und Darm fördern sollte.4 Diese Mixtur nannte er „tinctura aromatica compostita“.4 Die Nachfrage nach dem damaligen Heilmittel stieg stetig an und nahm auch nach Abklingen der Epidemie nicht ab, sodass das Mittel von verschiedenen Fabriken weiterentwickelt und als Spirituose verkauft wurde.4 Die heutige Aromatique Spirituosenfabrik und das Rezept für ihren Kräuterlikör entsprangen der Weiterentwicklung der „Tinctura“ durch Theodor Kramer, der 1876 eine Branntwein- und Likörfabrik übernahm, um den Kräuterlikör zu vertreiben.4 Noch heute erfreut sich der Kräuterlikör besonderer Beliebtheit in Thüringen und inzwischen sogar über die deutschen Grenzen hinaus.3

Wissenswertes über die Spirituosen

Die Vielfalt verschiedener Sorten und Aromen von Spirituosen ist groß. Für ihre Klassifizierung spielt nicht nur die Grundzutat, sondern vor allem die Art der Herstellung eine entscheidende Rolle: Am Anfang der Destillation steht die Gärung.5 Hierbei wird der in den Grundstoffen vorkommende Zucker mithilfe von Hefepilzen zu Alkohol und Kohlensäure umgewandelt.5 Die Grundzutaten der verschiedenen Spirituosen sind so unterschiedlich wie die Sorten – üblicherweise dienen Obst oder Gerste als Basis.5 Nach einem zügigen Start der Gärung verlangsamt sich dieser Prozess nach und nach, bis er schließlich nach einigen Wochen abgeschlossen ist.5 Es entsteht genießbarer Äthylalkohol, auch „Weingeist“ genannt, sowie giftiger Methylalkohol, der aber bereits während des Vorgangs ausgeschieden wird.5

Die beim Gärvorgang entstehende Flüssigkeit, die sogenannte Maische, wird anschließend destilliert.5 Hierfür gibt es zwei verschiedene Verfahren: die Destillation im Brennkolben und den Brennvorgang in Rektifizieranlangen.5
Übrigens: Um eine Spirituose „Likör“ nennen zu dürfen, muss der Mindestalkoholgehalt in Deutschland bei 15 % vol. liegen.5 Zudem gibt es Vorgaben für den Zuckergehalt eines Likörs: Kirschlikör, der mit Kirschbrand hergestellt werden musst, braucht einen Zuckergehalt von 70 g je Liter.5  Bei Enzianlikör oder Likören, die nur aus Enzian (oder einer ähnlichen Pflanze) als Aromastoff bestehen, liegt der Wert bei 80 g je Liter.5 Alle anderen Liköre müssen sogar einen Zuckergehalt von 100 g pro Liter aufweisen, was den charakteristischen süßlichen Geschmack der Liköre erklärt.5

Daten & Fakten zu Spirituosen

530 Millionen Flaschen à 0,7l werden jährlich von 48 Betrieben in Deutschland hergestellt.

Liköre machen fast 30 Prozent des gesamten Angebots von Spirituosen in Deutschland aus.

Thüringer Spirituosen sind über die Landesgrenzen hinaus beliebt und bekannt.

Die Nordbrand Nordhausen GmbH ist der mengenmäßig größte Spirituosenhersteller in ganz Deutschland und hat einen Absatz von 49,2 Millionen Flaschen.

Lizenzierte Produkte und Produzenten

AROMATIQUE GmbH Spirituosenfabrik

  • Gewürz-Bitter

Eine Übersicht der Thüringer Unternehmen und Produkte aus der Branche „Spirituosen“ finden Sie auf der Webseite des Agrarmarketings Thüringen.